Feodra Ulfsfrouwa

Man schrieb das Jahr 958, als Feodra als drittes Kind und erste Tochter von Hrodgar Bertilsson und Ingegerd Ingvarsdottir, am 19. des Aprils an einem stürmischen Tag auf offener See das Licht der Welt erblickte.

Lange Zeit war die Familie schon unterwegs, denn als Händler wollte sich Hrodgar partout nicht sesshaft machen. Erst als er von der erneuten Schwangerschaft seiner geliebten Frau erfuhr, die als ersten Sohn Hakon im Jahr 954 und zwei Jahre später Stig zur Welt brachte, plante er für seine Familie eine Zukunft in Birka, eine Handelsstadt im Land der Svea.

In Birka niedergelassen betrieb er regen Handel mit Glasperlen, Borten und Kleidung. Viele wohlhabende Familien zählten zu seinen Kunden und der Handel lief so erfolgreich, dass er seine Kinder ausbilden lassen konnte. Sie lernten Lesen, Schreiben und Rechnen und die beiden Söhne Hakon und Stig erhielten ab dem 12. Lebensjahr eine militärische Ausbildung vom befreundeten Leif Ragnarsson, der ehemals Seefahrer und von 941 bis 950 Leibwache des schwedischen Königs Björn Eriksson war.

Feodra war schon immer an der Kampfkunst interessiert und überredete ihre Brüder, ihr Alles beizubringen. Da sie sich sehr geschickt mit dem Schwert anstellte, trainierte sie fortan heimlich mit ihren Brüdern, da ihr Vater von kämpfenden Frauen nicht viel hielt.

So erlebte Feodra eine glückliche Kindheit, die sie auch ihrer guten Freundin Kari Gundersdottir, deren Familie sich ebenfalls in Birka sesshaft gemacht hatte, zu verdanken hat.

Im Jahr 970 wird Erik Segersäll (Erik VIII., der Siegesfrohe) König. Neben ihm regierte auch sein Bruder Olof, der 975 starb. Erik war nun Alleinherrscher und mehr auf Eroberungszügen unterwegs, als sich um sein eigenes Land zu kümmern. Außerdem gab es immer wieder Streit um die rechte Thronfolge mit Olofs Sohn Styrebjörn. Das von Erik im Jahr 970 gegründete Sigtuna übernahm zudem Birkas Rolle als wichtigster Handelsplatz der Svea. Nach und nach ebbte der Handel in Birka ab. Feodras ältester Bruder Hakon sah sich 971 im Alter von 17 Jahren gezwungen, seine Familie zu verlassen, damit er keine zusätzlichen Kosten verursacht und tritt seinen Dienst am königlichen Hof an. Er wollte kein Händler wie sein Vater werden, sondern ein Krieger, wie es sein Lehrmeister Leif Ragnarsson war. Gemeinsam mit Erik VIII. fuhr er übers Meer und bereiste viele Länder. Seine letzte Schlacht sollte 985 in Alt-Uppsala sein. Dort kämpften sie gegen Styrebjörn, der sich mit den Jomswikinger aus Wollin vereinte. Erik, fortan Erik, der Siegesfrohe genannt, entschied die Schlacht für sich. Styrebjörn und Hakon zählten zu den Gefallenen. Seine Familie hatte Hakon seit seinem 17. Lebensjahr nicht gesehen. Auch Feodras Vater plagten die Ängste vor einem Leben in Armut. Er wollte seinen Lieben etwas bieten und kein Leben in Armut führen. Also tritt er im Frühling 973 nach vielen Jahren Sesshaftigkeit eine mehrmonatige Handelsreise an. In sich trug er die Hoffnung, einen Ort zu finden, an dem eine einfache Händlerfamilie wohlhabend leben kann. Nach einem Monat Seefahrt ereilte ihn eine schwere Krankheit und er machte sich sofort auf den Rückweg nach Birka. Kaum angekommen erlag er der Erkrankung. Feodras Mutter plagten nach dem Verlust ihres Liebsten schwere Depressionen. Also lag es an Feodra und ihrem Bruder Stig, die Geschäfte weiterzuführen. Doch es lief nicht besonders gut, denn Stig war nicht am Handel interessiert und sie musste die Geschäfte alleine führen. Eines Morgens, kurz vor Mitsommer des darauffolgenden Jahres wachte die Mutter der Geschwister nicht mehr auf. In ihrer Hand hielt sie ein Pergamentstück, auf dem stand, dass sich ihr nun 18jähriger Sohn um seine Schwester kümmern soll, bis sie einen Mann gefunden hat und eine Vermählung aus Liebe stattfindet. Stig wollte seinem Bruder Hakon schnellstmöglich folgen und in die Ferne ziehen, also begab er sich auf die Suche nach einem Mann für seine Schwester. Beinahe jeden in Birka hatte er gefragt, aber es war nie der richtige dabei. Entweder waren es die Manieren der Bewerber, die Feodra abschreckten oder die Bewerber selbst konnten mit der rauen Art der jungen Frau nicht umgehen. Für viele Männer war es ein Unding, wenn eine Frau besser mit Schwert und Schild umgehen konnte als ein Mann. Fast hatte der Bruder die Hoffnung aufgegeben, als 977 eine Gruppe Abgesandter vom Hof des Kiewer Fürsten Jaropolk I. Swjatoslawitsch (Herrschaft von 972 bis 980) in Birka ihr Winterquartier errichten wollten. Unter ihnen war der 23Jährige Ulf Olegson aus Novgorod. Als Feodra ihn das erste Mal erblickte, fühlte sie etwas, was sie sonst noch nie in ihrem Leben gefühlt hatte. Jedes Mal, wenn er in ihrer Nähe war, kribbelte es in ihrem Bauch und wenn er nicht da war, sehnte sie sich nach ihm. Sie erzählte ihrem Bruder von diesem komischen Gefühlt und als er erfuhr, dass es dem jungen Russen nicht anders ging, lud er ihn zum Essen ein. Kurze Zeit später fand die Hochzeit des Liebespaares statt.

Ulf und Feodra waren fortan immer gemeinsam zu sehen.